Praktikanten

Meine Zeit – Bacáááán!

Dieses chilenische Wort beschreibt sehr treffend meinen wundervollen Aufenthalt hier in Südamerika; Chile, Osorno und an der DSO (Deutschen Schule Osorno).

Durch die Organisation kulturweit kam ich Foto_1_Lydiain den grünen Süden Chiles, was auch „Tor von Patagonien“ genannt wird. Zugegeben – ich hatte anfangs gehofft, in eine fremde, ja exotischere Umgebung zu kommen. Auf den ersten Blick wirkt Chile sehr europäisch/deutsch. Ich ließ mich dann aber doch auf das Land, die Menschen und die Kultur ein und betrachtete alles mit einem offenen, gespannten Blick. Das bescherte mir, interessante Unterschiede zu entdecken. Durch diese Erfahrungen hier hat sich mein Horizont in viele Richtungen erweitert. Osorno hat vieles zu bieten: 2 Flüsse, ein Kino, eine lebendige Passage, eine gemütliche Plaza, einige Clubs und Cafés, viele kleine Parks, Universitäten, viele Schulen, eine mit vielen Passanten gefüllte „Haupt- und-Einkaufsstraße“, in der ich fast immer Bekannte treffe .… – je länger ich hier wohne, desto wohler fühle ich mich. Besonders die Natur um Osorno herum ist ein Augenschmaus! Ob mit Auto oder Bus; man gelangt schnell zum Pazifik, an große Seen, Vulkane oder zu den Anden.

Foto_2_LydiaMein Jahr begann im März – also im noch warmen Spätsommer. Die Schule half mir schon im Voraus, eine Unterkunft zu finden. Ich hatte großes Glück mit meiner Gastfamilie: vielen, vielen Dank –  Familie Amthauer. Wir teilten u.a. alle die Liebe zum Sport. Unsere gemeinsamen Routinen wie z.B. das sonntägliche Joggen werde ich wohl vermissen. Gemeinsam unternahmen wir viele Ausflüge. Beispielsweise verbrachten wir einige Wochenenden im herrlichen Hueyusca, fuhren im Sommer wie auch im Winter nach Antillanca (im Sommer für ein Trekking auf dem Vulkan, im Winter zum Ski fahren), besuchten idyllische Orte wie Frutillar oder Puerto Varas… Ich habe die Zeit mit den Vieren (und allen anderen, die zu der großen Familie gehören) sehr genossen!!! Außerdem habe ich viel über die chilenische Kultur und das Leben vor Ort kennengelernt. Gemeinsam legten wir eine Liste mit typisch chilenischen Ausdrücken an. Das war sehr witzig – und es ist tatsächlich so, dass sich die Chilenen sehr freuen, wenn man einige der Ausdrücke benutzt ☺

 Kleiner eingeschobener Sprachkurs:

Chilenisch Deutsch
Bacán Super cool
¿Como estai? Wie geht es dir?
Tengo tuto. Ich bin müde.
¿Cachai? Hast du verstanden?
Chela Bier
Carretear Feiern

Aus organisatorisch-technischen Gründen wohnte ich während der letzten beiden Monate ein Haus weiter, bei meiner „ehemaligen“ „Lieblingsnachbarin“ – einer Lehrerin, Barbara Buck. Auch hier fühle ich mich sehr wohl und bin zutiefst dankbar für die erlebte Geborgenheit. Den samstäglichen Mercado-Besuch und den sonntäglich Titan-Ausflug werde ich immer in sehr guter Erinnerung behalten! Der Umgang mit Titan, Barbaras riesigem Hund, bedeutete anfänglich eine Herausforderung für mich – mauserte sich am Ende zu einer liebgewonnenen Beziehung.

Worüber ich noch sehr dankbar bin, ist, dass ich in der Schule schnell von meinen Kollegen herzlich aufgenommen und integriert wurde. Die ersten Tage – ja sogar Wochen – waren aufgrund der unzähligen Personen, die an dieser Schule arbeiten, eine reine Verwirrung: die vielen Koordinatoren, Lehrer, Pförtner, Hausmeister, Küchenfrauen, Kopierangestellten, Busfahrer etc. sind tatsächlich eine Menge! Aber so gibt es immer vielfältige Begegnungen.

Ich habe mich auch sehr gefreut, dass mein Chef, Roman Feltscher, mir so viele Möglichkeiten eröffnet hat, den Schulalltag möglichst facettenreich kennenzulernen. So begleitete ich die Lehrer in unterschiedlichen Klassenstufen: von der Grundschule bis zur 12. Klasse. Darüber hinaus durfte ich auch den Musik- und Sportunterricht kennenlernen und mitgestalten. Ich hatte in Deutschland schon ein Lehramt-Studium abgeschlossen. Deshalb war es besonders interessant, das Bildungssystem hier – auch selbst unterrichtend – so intensiv zu erleben. Einige Sachen sind sehr ähnlich; andere dafür komplett anders.

Foto_3_LydiaSeit ca. einem Monat änderte sich die politische Situation hier in Chile dramatisch. Kurze Zusammenfassung aus meiner Sicht: Der steigende U-Bahn-Preis von vier Cent (4ct=30 Pesos) war der Tropfen, der das politische Fass zum Überlaufen gebracht hat. Der brodelnde Kessel fand nun sein Ventil. Mehr als eine Millionen Chilenen waren in den vergangenen Tagen auf den Straßen, um gegen die steigende Ungleichheit zu protestieren. Chile galt bisher als stabile und erfolgreiche Wirtschaftsmacht in Südamerika. Jedoch tat sich die Schere zwischen arm und reich trotz allem immer weiter auf. Nun fordern die Demonstranten nicht nur die Rücknahme der U-Bahn-Preiserhöhung, sondern auch höhere Renten, höhere Mindestlöhne und ein gerechteres Bildungssystem.

Trotz dieser angespannten Situation im Land habe ich noch einen wunderschönen Frühling und Sommer verbracht.

Erfüllt von unendlich vielen, großartigen Erinnerungen werde ich nun wieder nach Deutschland zurückkehren, mich immer wieder begeistert und dankbar an die Zeit hier in Südamerika erinnern und gern viele Kontakte in meine einjährige Heimat Chile weiter pflegen.

Danke an alle, die meine Zeit hier bunt mitgestaltet und versüßt haben!

Danke an alle, die das Leben mit mir geteilt und mich an ihrem Bemühen um das Gute im Menschen teilhaben ließen.

Mögen wir alle mit unseren verschiedenen Begabungen und Zielen den Weg zum Frieden im Kleinen wie auch im Großen erfolgreich mitgestalten.

Lydia Herbst

 

 

Freiwilliges Soziales Jahr an der Deutschen Schule Osorno (DSO)

IMG_4924Ich heiße Katinka Wellnitz, bin 20 Jahre alt und habe mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) vom September 2018 bis August 2019 an der DSO gemacht.

Nach dem Abitur habe ich mich bei dem internationalen Kultur- Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission Kulturweit beworben und war für 1 Jahr an der DSO. Nach Osorno und an diese Schule zu kommen, konnte ich mir nicht direkt aussuchen und war auch ein wenig besorgt, nachdem ich die Beschreibung Wikipedias „langweiligste Stadt“ Chiles las. Immerhin stand direkt daneben auch „sicherste Stadt Chiles“. Beides Bezeichnungen, in denen durchaus ein Fünkchen Wahrheit steckt, doch hatte ich eine super Zeit hier!

Von Beginn an habe ich viel Unterstützung von der DSO erfahren. Der Deutsch-Fachleiter und mein Koordinator an der Schule, Roman Feltscher, hat mir alle Fragen beantwortet und die nötigen Dokumente beschafft. Zudem wurde mir Hilfe bei der Suche nach einer Unterkunft angeboten und schlussendlich eine Gastfamilie organisiert. So konnte ich guten Gewissens meine Reise zur südlichen Hemisphäre antreten.

Am Flughafen in Osorno angekommen, ging mir der Gedanke „in welchem Kaff bin ich denn hier gelandet“ durch den Kopf, da der Flughafen wirklich winzig ist. Der wurde jedoch schnell vom nächsten Schock verdrängt. Meine Gastfamilie holte mich vom Flughafen ab und ich verstand erstmal kein einziges Wort. Wofür waren dann bitte die 3 Jahre Schulspanisch?! Die Gastfamilie war jedoch super freundlich und mit Händen und Füßen klappte die Kommunikation dann doch irgendwie. Meine drei Gastgeschwister waren alle Schüler der DSO und konnten so auch ein bisschen Deutsch.

Vom ersten Tag an fühlte ich mich an der Schule super wohl, was definitiv an den lieben und netten Menschen liegt, die hier arbeiten. Roman Feltscher erklärte mir, wie alles funktionierte und gab mir meinen vorläufigen Stundenplan. Danach stellte er mich den anderen Lehrern vor. Ich war überrascht, wie gut alles organisiert war. Man hatte uns in Deutschland schon darauf hingewiesen, ein wenig geduldiger mit den Einsatzstellen zu sein. Insgesamt überraschte mich die Schule in einigen Dingen, so ähnelte sie auf dem ersten Blick den Schulen in Deutschland sehr. In jedem Raum gibt es einen PC und Beamer, die Tafeln sind die gleichen wie in Deutschland und neben PC-, Musik-, und Kunsträumen gibt es eine Bibliothek und sogar ein Schwimmbad!

Einige Dinge änderten sich auf den zweiten Blick. Ich bemerkte, dass es an manchen Stellen in die Schule reinregnet und die Temperaturreglung in den Räumen nicht immer ganz nachvollziehbar ist. So ist es teilweise viel zu heiß oder viel zu kalt und das trübe Schwimmbadwasser mit seinem hohen Chloranteil war mir auch nicht ganz geheuer. Eine Sache, die sich jedoch nie geändert hat, war die Freundlichkeit und die Aufmerksamkeit der Menschen.

Die Zeit im Lehrerzimmer war sehr angenehm. Es gab viele nette Konversationen und es war immer etwas los. Auch Essen gab es oft, verhungern wird man hier definitiv nicht. Beim wöchentlichen, gemeinsamen Frühstück kommt man mit vielen Lehrern ins Gespräch und kann die Gemeinschaft genießen. Jeden Morgen, wenn ich durch die Tür des Lehrerzimmers reinkam, wurde ich erstmal von vielen freundlichen Menschen begrüßt, die mich fragten wie es mir ginge. Das ist das eine, was mich in diesem Jahr immer gestützt hat, egal wie sehr ich mein Zuhause vermisst habe oder wie schlecht meine Laune war, die netten Menschen an dieser Schule haben jeden einzelnen meiner Tage besser gemacht!

Jetzt zu den Dingen, die ich hier gemacht habe. Meine Hauptaufgabe war es, Lehrer im Unterricht zu begleiten. Ich habe die Lehrer im Unterricht unterstützt, mit kleinen Gruppen oder einzelnen Schülern extra geübt und AGs und Projekte durchgeführt. Insbesondere war ich bei den schwierigeren und schwächeren Klassen dabei. Zudem habe ich ein Semester lang eine Kunst AG auf Deutsch und ein Semester lang eine Sport AG gemeinsam mit einer andern Freiwilligen geleitet.

Besonders Spaß gemacht hat mir die Unterstützung des Wettbewerbs „Deutsch lebendig“. Dieser wurde von der DSO ausgetragen, daher kamen viele Schüler von anderen Deutschen Schulen Chiles nach Osorno. Auch der Austausch mit der Deutschen Schule Punta Arenas war ein Highlight. Ich durfte eine Schülergruppe auf ihrem Austausch begleiten und auch auf dem Gegenaustausch das Programm mitgestalten. Zudem habe ich Artikel für den Condor, die Deutsch-Chilenische Zeitung geschrieben und ein Video-Projekt für den 10. Geburtstag der PASCH-Schulen zum dem Thema Klischees über Deutsche durchgeführt.

Generell wurde es selten langweilig, da die Schule ständig irgendwelche Projekte am Laufen hat. Diese Projekte gehen von Projekttagen zum Deutschen Nationalfeiertag, über Sankt-Martinsumzüge, Naturwissenschaftsaustellungen, Schulfeiern, Wettbewerben, Auftritten bis hin zu den Skifahrten. Ich durfte eine Klasse auf der einwöchigen Skifahrt in die Skihütte der Schule begleiten.

Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern an dieser Schule ist eine viel innigere als die in Deutschland. Für mich war es trotzdem manchmal merkwürdig, weil ich ja weder Schülerin noch Lehrerin war und daher so ein bisschen zwischen den Stühlen stand. Die Schule ist auch nicht mit einem deutschen Gymnasium zu vergleichen. Eher mit einer inklusiven Gesamtschule. Das kann sehr positiv sein, aber auch komplizierter. Manche Schüler haben Lernprobleme, Verhaltensprobleme oder anderes, worauf man sich einstellen sollte. Ich habe mich aber meistens sehr wohlgefühlt und zu vielen eine sehr gute Beziehung gehabt.

Zu meinem außerschulischen Leben kann ich so viel sagen; Osorno ist nicht gerade der Mittelpunkt der Welt, viel Freizeit- und Kulturangebote gibt es hier nicht. Ganz ehrlich, ich wurde schon ab und zu mal neidisch, wenn ich gesehen habe was meine Freunde in Santiago ständig unternommen haben. Dafür haben die nicht so viel Glück mit ihren Einsatzstellen und den Kollegen gehabt! Aber im Ernst, für mich war es von Zeit zu Zeit echt schwer hier. Ich bin eine eher aktive Person und oft war das Wetter hier so schlecht, die Luft so verschmutzt und die Möglichkeiten so gering, dass die Motivation sich deutlich verringerte. An sich gibt es schon Möglichkeiten, wenn man wirklich sucht, auch weit mehr als die, die ich wahrgenommen habe. Man kann zum Beispiel ins Fitnessstudio gehen. Ich bin öfters in ein recht billiges zu bestimmten Kursen gegangen, wie zum Beispiel zum Zumba. Auch die Schule bietet Möglichkeiten, an Aktivitäten teilzunehmen, wie zum Beispiel Chor, Yoga oder Volleyball. Im ersten Halbjahr bin ich immer zum Yoga gegangen. Auch die Schwimmhalle habe ich genutzt. Zudem wurde mein neues Hobby, alle Cafés und Bars in Osorno kennenzulernen, es gibt sogar ein paar Clubs. Die Stadt ist wirklich nicht die schönste oder die aufregendste, aber man kann trotzdem eine gute Zeit haben.

Wochenendausflüge sind dank des guten Busnetzes auch kein Problem und auch definitiv lohnenswert. Die über Seen und Berge bis hin zu Wasserfällen, Vulkanen und dem Meer reichende Naturschönheit befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Ganz großes Glück hatte ich mit meiner Gastfamilie. Sie waren unheimlich nett und ich wurde immer integriert und mitgenommen. So konnte ich auch regnerische, langweilige Tage in guter Gesellschaft verbringen. Mein Spanisch hat sich auch am meisten Dank ihnen verbessert. In meinem Alltag in der Schule kam das nämlich leider viel zu kurz, da ich dort fast nur Deutsch gesprochen habe.

Auβerhalb der Schule und der Gastfamilie ist es wirklich schwer Menschen kennenzulernen, da die meisten jungen Leute zum Studieren nach Santiago gehen. Doch die meisten anderen Freiwilligen haben auch keine richtigen Freunde hier in Chile gefunden. Auf den ersten Blick sind alle immer super offen, doch eine tiefere Beziehung zu entwickeln, ist dann nochmal etwas anderes.

Zum Thema Sicherheit kann ich nur sagen, dass ich mich auch nicht nur ein einziges Mal unsicher gefühlt habe, egal zu welcher Tageszeit. Als blondes Mädchen habe ich schon mehr Aufmerksamkeit bekommen, als ich es aus Deutschland gewöhnt war. Dadurch hatte ich aber eher nur Vorteile.

In meinen Ferien habe ich bei einem Deutschsommerkurs der Schule geholfen und war mit im Kinderheim, in dem eine Freundin von mir ihr FSJ absolviert hat. Das war eine gute Abwechslung, um mal aus der „Blase“ der Privatschule DSO rauszukommen und eine andere Perspektive des Lebens hier in Chile kennenzulernen. Auβerdem bin ich auch sehr viel mit anderen Freiwilligen zusammen gereist. Wir haben jeder nur einen Rucksack gepackt und sind für mehrere Wochen durch Lateinamerika gereist. Wir sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren und haben in billigen Hostels in Mehrbettzimmern geschlafen. Diese Reisen waren ein weiteres Highlight. Die Landschaften und die Sehenswürdigkeiten hier sind unglaublich beeindruckend! Um in Chile zu reisen, liegt Osorno geographisch auch recht gut und besonders die Ziele im kleinen Südens Chiles sind gut erreichbar. Selbst Santiago ist nur eine Nachtfahrt entfernt.

Insgesamt war dieses Jahr eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Ich war einmal mehr oder weniger komplett auf mich alleine gestellt und musste mir selber ein neues Leben aufbauen. Ich habe ganz viele neue Orte, Menschen und eine andere Kultur kennengelernt. Zudem habe ich neben dem Erlernen einer neuen Sprache noch so viel mehr an persönlichen Fähigkeiten dazugewonnen.

Vielen lieben Dank an die DSO und an alle, die einen Teil meines Jahres waren! Dieses Jahr wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Katinka Wellnitz

 

Linda Schombach: Sechs Monate an der DSO

0616 März 2017: Ohne Kenntnis der spanischen Sprache betrete ich das Schulgelände und finde überraschend schnell das Lehrerzimmer. Mit Händen und Füßen versuche ich zu fragen, wo ich den Herrn Feltscher finden könnte. Nicht für eine Sekunde denke ich daran, in Nordpatagonien – 13.000 km Luftlinie bzw. 20 Flugstunden und 11 Stunden Busfahrt entfernt von meiner Heimat – in meiner Muttersprache nach dem Weg zu fragen. Umso überraschter bin ich, als mir unverzüglich in fließendem Deutsch geantwortet wurde: Ob ich die neue Freiwillige sei? Ja, das bin ich – und werde sofort herzlichst aufgenommen hier im Kollegium, besonders in der Deutschfachschaft, und später auch in meiner liebevollen Gastfamilie.

6 Monate später, nach einem halben Jahr Freiwilligendienst in Chile: Besos auf die rechte Wange. „Hola. Como stai’?“, ohne eine Antwort auf die eigentliche Frage abzuwarten. “Comprendes castellano? “ „Un poco.“ „Yapo! ¡Un poquito! Que Bacán! Puedo hablar ma o meno lento cachai?“ Gut bei „cathai“ erwartet eh niemand eine Antwort. „Pololo, pololear, fome, flaite…“ – ja, die chilenische Sprache ist sehr kreativ.

6 Monate arbeitete ich an der Deutschen Schule Osorno: Vom Deutschaustausch nach Punta Arenas – begleitet von dem ständigen Ausruf „Kein Castellano“ – über den chilenischen Jugend-Debattiert-Wettbewerb in Osorno, die wöchentlichen Vorlesebesuche im Kindergarten, den Kunstunterricht, die Betreuung und dem Spanischunterricht der deutschen Austauschschüler bis hin zu Hospitationen im Kindergarten und in zahlreichen Schulklassen reichten die Schulaktivitäten. Ganz besonders beeindruckt hat mich die Mitarbeit und Verbesserung der Klasse 5 A. Das Highlight der Woche fand immer mittwochs statt – gemeinsames, liebevoll zubereitetes Frühstück der Lehrer! Außerdem habe ich nicht nur einiges Spanisch, sondern auch viel über meine eigene Sprache gelernt. Für mich war der Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ immer eindeutig: „Wem?“ oder „Wen oder was?“. Aber wie erklärt man „wem“ und „wen“, wenn man „dem“ und „den“ nicht unterscheiden kann? Warum heißt es „das Mädchen“, warum ist das Perfekt von „sein“ „gewesen sein“ und von „schreiben“ „geschrieben haben“?

6 Monate lebte ich bei den Fuhrmanns: Nie werde ich unser erstes Abendessen vergessen. Mit meiner Gastmutter Roxana und Mata am Tisch, haben die beiden meine Essgewohnheiten abgefragt. Da ich nun absolut nichts verstand, zeigten sie mir jede Art von Essen. So ähnlich ging es lange Zeit weiter. Doch stets unterstützten mich alle Familienmitglieder beim Spanischlernen und bei so vielen anderen Dingen des täglichen Lebens. Ich konnte mich jederzeit auf sie verlassen. Sie waren wunderbare, verständnisvolle und großzügige Gastgeber, die mich mit viel Freude und Vertrauen bei sich aufgenommen und begleitet haben und somit meine Zeit unglaublich bereichert haben! Dafür und für die unglaubliche Zeit ein herzliches Dankeschön!!! Ich hoffe sehr, dass ich ein Stück ihrer großartigen Gastfreundschaft irgendwann zurückgeben kann.

6 Monate lernte ich eine neue, andersartige und wundervolle Kultur in einer atemberaubenden Landschaft kennen: Ich habe die Chilenen als sehr aufgeschlossen und hilfsbereit empfunden. Noch nie bin ich so oft, schnell und selbstverständlich mit so vielen besonderen und liebevollen Menschen in Kontakt gekommen. Spontaneität, Entspanntheit und Freundlichkeit begegneten mir die gesamte Zeit. Dazu lernte ich eine Landschaft kennen, die so vielfältig ist, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Vom vereisten Patagonien über die längste Vulkankette der Welt bis hin zu einmaligen Wüsten- und Salzlandschaften, gleichzeitig Meer und Berge so nah.

Für diese intensiven, unvergesslichen 6 Monate bin ich außerordentlich dankbar! Ich werde sie immer in meinem Herzen tragen. Danke Chile! Danke lieber Roman und Corina, Danke liebe Familie Fuhrmann, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler!

Linda Schombach